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Endometriose und Kinderwunsch: Wenn Hoffnung und Angst sich abwechseln

27. Juli
6 Min. Lesezeit

Endometriose und der Wunsch nach einem Kind – für viele Frauen gehören diese beiden Themen untrennbar zusammen, mit all der Hoffnung, Angst und Erschöpfung, die dazwischen liegt.

In diesem Artikel beschreibe ich, welche seelischen Auswirkungen diese Zeit auf Sie haben kann und wie sich psychotherapeutische Unterstützung auswirken kann.


Ein Gefühl, das viele Frauen kennen

Es gibt diesen einen Moment. Eine Nachricht auf dem Handy, ein Foto, ein Satz, ausgesprochen mit leuchtenden Augen: „Wir bekommen ein Baby.” Und noch bevor Sie es realisieren, zieht sich etwas in Ihnen zusammen. Sie freuen sich, wirklich. Doch gleichzeitig tut es weh. So sehr, dass Sie sich im nächsten Moment dafür schämen.

Vielleicht kennen Sie auch die stillen Momente danach. Wenn Sie abends allein sind und sich fragen, ob mit Ihnen etwas nicht stimmt. Ob Ihr Körper Sie im Stich lässt. Ob dieser Wunsch, den Sie in sich tragen, überhaupt jemals ankommen darf.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, möchte ich Ihnen sagen: Was Sie fühlen, ist nicht zu viel. Es ist menschlich, sich nach einer Familie zu sehnen, und es ist menschlich, an dieser Sehnsucht zu leiden, wenn sie sich nicht erfüllt.


Wie Endometriose und Kinderwunsch zusammenhängen

Bei Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an – häufig an den Eierstöcken, den Eileitern oder dem Bauchfell. Es kann zu Verwachsungen, Zysten oder Entzündungen führen, die auch die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Der Zusammenhang ist eng: Bei etwa jeder zweiten Frau mit unerfülltem Kinderwunsch lässt sich eine Endometriose feststellen. Das bedeutet nicht, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist – viele Frauen mit Endometriose werden auf natürlichem Weg oder mit medizinischer Unterstützung schwanger. Es bedeutet aber, dass der Weg dorthin oft länger, unsicherer und emotional aufwühlender verläuft als für andere.

Diese Ungewissheit ist es, die viele Frauen am stärksten belastet – mitunter mehr noch als die körperlichen Beschwerden selbst.


Die Auwirkungen dieser Zeit

Keine Frau erlebt Endometriose und Kinderwunsch genau gleich. Und doch, wenn ich Frauen in dieser Situation zuhöre, kehren bestimmte Erfahrungen immer wieder.

Da ist eine Trauer, die viele Formen annehmen kann. Manchmal die Trauer um eine tatsächliche Fehlgeburt oder einen frühen Verlust, manchmal die Trauer um eine Zeit, eine Sicherheit, ein Bild vom eigenen Leben, das sich gerade nicht so entwickelt, wie erhofft. Beides ist echter Verlust und beides verdient Raum. Da ist der Gedanke, der eigene Körper hätte etwas falsch gemacht, obwohl Ihr Körper in Wahrheit lediglich mit einer Erkrankung lebt, für die Sie nichts können. Da ist der Neid, der beschämt, wenn andere scheinbar mühelos schwanger werden, ein Gefühl, das Sie eigentlich gar nicht empfinden möchten und das trotzdem da ist.

Und da ist oft auch die Partnerschaft, die unter der Belastung ächzt: geplanter Sex nach Zyklustagen statt Nähe aus einem spontanen Gefühl heraus -bei Endometriose oft besonders ausgeprägt, weil der Weg zum Wunschkind meist länger dauert und dieser Takt sich über Monate oder Jahre hinzieht. Dazu kommen unterschiedliche Arten, mit der Situation umzugehen: Die eine möchte viel darüber sprechen, der andere zieht sich zurück, um sich zu schützen. Beides ist nachvollziehbar, kann aber zu Missverständnissen führen. Die Erschöpfung durch Behandlungen, Hormone und Wartezeiten legt sich dabei oft wie ein Schatten über den Alltag zweier Menschen, die sich eigentlich nichts sehnlicher wünschen, als sich gegenseitig zu tragen. Manchmal entsteht sogar ein leiser Groll über eine vermeintlich unterschiedliche Betroffenheit, über unausgesprochene Erwartungen, über das Gefühl, mit der eigenen Last allein zu sein, obwohl man eigentlich zu zweit ist.

Manche Frauen ziehen sich in dieser Zeit zurück, von Familienfeiern, von Freundinnen mit Kindern, manchmal sogar von sich selbst. Nicht, weil sie nicht mehr am Leben teilnehmen möchten, sondern weil der Schmerz an manchen Tagen einfach zu groß ist, um ihn neben anderen auszuhalten.


Der Wunsch nach Familie und der Schmerz, der dahintersteckt

Hinter einem Kinderwunsch steckt selten nur der Wunsch nach einem Kind. Es steckt oft das Bild eines ganzen Lebens dahinter. Eine Familie, ein gemeinsamer Alltag, eine Zukunft, die man sich vorgestellt hat. Wenn sich dieser Wunsch nicht erfüllt, ist der Schmerz entsprechend groß.


Für viele Frauen kommt eine weitere Ebene hinzu: der gesellschaftliche und familiäre Erwartungsdruck. Fragen bei Familienfeiern, gut gemeinte Kommentare, der Blick, der sich manchmal wie von selbst auf den eigenen Bauch richtet. All das kann sich anfühlen, als stünde der eigene Körper ständig zur Debatte. Dieser Druck von außen macht es zusätzlich schwer, den eigenen, oft langsameren Weg in Ruhe zu gehen.
Oft kommen dabei auch Zweifel am eigenen Körper auf. Der Gedanke, der eigene Körper würde einen „im Stich lassen”, ist verständlich und trotzdem verzerrt: Endometriose ist eine Erkrankung, keine Schwäche und kein persönliches Versagen.

Hinzu kommt eine ganz eigene Belastung: die Frage, wie offen man mit der eigenen Situation umgeht. Wie viel erzählt man Familie und Freunden? Was, wenn wieder jemand fragt, wann es denn endlich so weit sei? Viele Paare entwickeln über die Zeit eigene, stille Strategien, um sich zu schützen und auch das kostet Kraft.

Und nicht zuletzt gibt es eine Seite, über die selten offen gesprochen wird: die finanzielle Belastung. Kinderwunschbehandlungen sind kostenintensiv, werden oft nur teilweise von den Krankenkassen übernommen und können sich nicht alle Paare leisten. Diese finanzielle Unsicherheit kommt zu der emotionalen Belastung noch hinzu und darf ebenfalls ausgesprochen werden.


Die seelische Belastung, die im Kinderwunsch oft unsichtbar bleibt

In der Kinderwunschbehandlung dreht sich fast alles um Zahlen und Termine: Zyklustage, Hormonwerte, Behandlungsprotokolle, der nächste Ultraschall. Dieser Takt gibt vielen Paaren zwar eine Struktur, lässt aber wenig Raum für die Frage, wie es Ihnen dabei innerlich eigentlich geht.

Hinzu kommt, dass Kinderwunsch und Endometriose oft an unterschiedlichen Stellen behandelt werden. Bei der Gynäkologin, in der Kinderwunschklinik, vielleicht noch beim Hausarzt. Zwischen diesen Terminen bleibt für ein Gespräch über Trauer, Schuldgefühle oder Erschöpfung selten Zeit, weil jede Station für sich genommen ihren eigenen, engen Fokus hat.

Viele Frauen berichten daher, dass sie sich mit ihrer seelischen Belastung während der Kinderwunschzeit alleingelassen fühlen. Nicht, weil niemand helfen möchte, sondern weil das Versorgungssystem für diesen Teil schlicht nicht eingerichtet ist.

Psychotherapeutische Begleitung kann genau diese Lücke füllen: einen festen, geschützten Ort schaffen, der unabhängig vom nächsten Behandlungstermin existiert. Für das, was in der Kinderwunschzeit sonst oft ohne Worte bleibt.


Wie psychotherapeutische Begleitung helfen kann

Eine psychotherapeutische Begleitung ersetzt keine ärztliche Diagnostik und keine Kinderwunschbehandlung. Sie kann aber ein Raum sein, in dem Sie sich mit dem auseinandersetzen können, was diese Zeit mit Ihnen macht. In meiner Arbeit orientiere ich mich dabei an der Gesprächstherapie nach Carl Rogers. Einem Ansatz, bei dem ich Ihnen mit Wertschätzung, Einfühlung und ohne Bewertung begegne, damit Sie sich mit allem, was Sie beschäftigt, angenommen fühlen und Schritt für Schritt wieder mehr Klarheit und Erleichterung finden können. Das kann zum Beispiel bedeuten:

– einen Ort zu haben, an dem Trauer, Wut oder Erschöpfung ohne Bewertung Platz haben


– Schuldgefühle einzuordnen und zu erkennen, dass die Erkrankung nicht Ihre Schuld ist


– einen ruhigeren Umgang mit der Ungewissheit von Zyklus zu Zyklus zu finden


– Themen wie Partnerschaft, Sexualität oder das eigene Körpergefühl in Ruhe zu betrachten


– sich Gedanken über den weiteren Weg zu machen. Auch dann, wenn dieser Weg noch offen ist


Viele Frauen berichten, dass allein das Gefühl, mit ihrer Belastung gesehen zu werden, bereits spürbar entlastend wirkt.


Kleine Impulse für den Alltag

Erlauben Sie sich Gefühle wie Neid oder Wut, ohne sich dafür zu verurteilen.

Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin offen darüber, wie es Ihnen gerade geht. Auch wenn die Worte dafür manchmal fehlen.

Suchen Sie sich Menschen, bei denen Sie nicht erklären müssen, warum bestimmte Situationen für Sie schwer sind.

Geben Sie sich Erlaubnis, auch mal eine Pause vom Thema Kinderwunsch zu machen, ohne sich dafür zu rechtfertigen.


Häufige Fragen zu Endometriose und Kinderwunsch

Macht Endometriose unfruchtbar?

Endometriose kann die Fruchtbarkeit einschränken, macht eine Schwangerschaft aber nicht grundsätzlich unmöglich. Viele Frauen mit Endometriose werden schwanger – natürlich oder mit medizinischer Unterstützung.

Wie hängen Endometriose und Kinderwunsch zusammen?

Bei etwa der Hälfte der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch liegt eine Endometriose vor. Verwachsungen, Zysten oder Entzündungen im Beckenraum können die Empfängnis erschweren.

Hilft Psychotherapie beim unerfüllten Kinderwunsch?

Sie kann helfen, mit Trauer, Schuldgefühlen, Ängsten und der Ungewissheit besser umzugehen. Sie ersetzt nicht die medizinische Behandlung, sondern begleitet sie.

Was, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt?

Der Abschied vom Kinderwunsch ist kein Entschluss, den man von einem Tag auf den anderen fasst. Er ist ein Prozess, der mit vielen Gefühlen einhergeht und der einen eigenen, geschützten Raum verdient.


Endometriose und ein unerfüllter Kinderwunsch sind eine der größten Belastungen, die viele Frauen erleben. Diese Zeit darf schwer sein. Sie müssen dabei nicht stark sein und nicht funktionieren.


Ich begleite Frauen psychotherapeutisch dabei, mit den seelischen Belastungen von Endometriose und Kinderwunsch besser umzugehen – auf Basis der Gesprächstherapie nach Rogers, einfühlsam, in Ihrem Tempo. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.

 
 
 

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